Welpenerziehung und Welpenaufzucht


1. - 4. Lebenswoche

Nesthocker:IMG_1466Aller Anfang ist  schwer! Denn Hundewelpen sind "Nesthocker", d.h. sie werden blind, taub  (Augen und Ohren sind bei der Geburt verschlossen) und völlig hilflos  geboren und sind voll und ganz auf die Hilfe der Hundemutter angewiesen. Ohne sie hätten die Kleinen keine Überlebenschance: sie ernährt die  Welpen, putzt sie und hält sie schön warm, denn auch ihre  Körpertemperatur können die kleinen Nesthocker noch nicht selbst  regulieren. In den ersten Lebenstagen orientieren sich die Hundekinder  ausschließlich über ihren Tast- und Geruchssinn. So finden sie auch den  Weg zur Milchquelle.

Kolostralmilch - Frühsterblichkeit:

Wie bei allen neugeborenen Säugetieren ist es auch bei Welpen entscheidend, dass sie bald nach der Geburt hochwertige Kolostralmilch (Kolostrum)  erhalten, denn nur diese Erstmilch enthält die für den Immunschutz der  Welpen so lebenswichtigen passiven Antikörper. Deshalb ist es notwendig  darauf zu achten und alles zu versuchen, dass die Neugeborenen so bald  wie möglich nach der Geburt am Gesäuge trinken und so ein Maximum an  diesen Antikörpern übertragen bekommen. Frühzeitige Aufnahme einer  genügenden Menge Kolostrum ist auch deshalb wichtig, weil die erste  Flüssigkeitszufuhr wesentlich zum Kreislaufvolumen des Neugeborenen  beiträgt. Ungenügende Flüssigkeitszufuhr kann Kreislaufinsuffizienz und  Herz-Lungen-Versagen verursachen. Gute Immunität und ein stabiles  Herz-Kreislauf-System senken wiederum das Risiko der Frühsterblichkeit  bei Welpen. Eine weitere Gefahr für die Kleinen besteht in der  Unterkühlung. In den ersten 6 Lebenstagen besteht noch kein Zitterreflex bei Kälte, weshalb Welpen zur Erhaltung ihrer Körpertemperatur auf  äußere Wärmequellen wie den Körper der Mutter angewiesen sind.  Hundebabys legen sich oft auch im Haufen übereinander, um ihren  Wärmeverlust zu reduzieren. Ist es den Welpen zu kalt, zeigen sie dies  mit vermehrtem Bewegungsdrang, Unruhe, verstärkter Atmung und  Lautäußerungen. Unter optimalen Verhältnissen (Umgebungstemperatur 21°C) liegen die Kleinen hingegen entspannt da und verbringen die meiste Zeit schlafend.

Trinken, Schlafen, Gewichtszunahme:

Die Hauptbeschäftigung der Neugeborenen ist Trinken und Schlafen. Ein  großer Teil des Schlafens ist mit aktiven Bewegungen wie Drehen und  Zucken verbunden, wodurch die Entwicklung der Muskulatur gefördert wird. Die Häufigkeit des Saugens liegt in der 1. Lebenswoche um die 12 mal am  Tag, fällt in den folgenden 3 Wochen auf etwa 8mal und geht im 2. Monat  auf 5 - 6 mal pro Tag zurück. Dank der guten Muttermilch nehmen die  Hundebabys rapide zu. Sie sollten vom ersten Lebenstag an zunehmen und  ihr Geburtsgewicht in 7 - 10 Tagen verdoppelt haben. Beim Absetzen mit  ca. 6 Wochen haben die Welpen dann das 6- bis 10-fache ihres  Anfangsgewichts erreicht. Als Faustregel gilt: ein Welpe sollte während  der ersten 5 Monate pro Tag 2 bis 4 g pro kg des erwarteten  Erwachsenengewichts zunehmen (als Beispiel: ein Welpe, der als  erwachsener Hund 20 kg wiegen wird, sollte als Junghund täglich 40 bis  80 g schwerer werden). Regelmäßiges Wiegen der Kleinen zur Kontrolle  (anfangs täglich!) ist daher sehr wichtig, damit bei Bedarf entsprechend eingegriffen bzw. zugefüttert werden kann. Milchmangel seitens der  Hündin kann man z.B. meistens durch entsprechende Energie- und  eiweißreiche Ernährung korrigieren. Auch sollten die Welpen während des  Saugens ab und zu beobachtet werden, um sicher zu gehen, dass alle ihre  Chance zum Trinken haben. Wird einer weggedrängt, legt man ihn an eine  andere Zitze an. Es ist lebensnotwendig, dass alle Welpen einen  ausreichenden Anteil Milch bekommen.

Kot- und Harnabsatz:

Den Reflex für den Kot- und den Harnabsatz muss die Hundemutter in den  ersten Wochen durch das Belecken der Analgegend auslösen. Fehlt dieses  Verhaltensmuster der Hündin, so sind Verstopfungen und Blähungen, in  manchen Fällen sogar der Tod der Welpen die Folge. Die Exkremente werden von der Mutter aufgeleckt, so dass das Lager sauber und trocken bleibt. Dieser Teil der Brutpflege endet meistens mit der ersten Beifütterung  der Welpen.

Sinnesentwicklung:

Nach der  ersten Lebenswoche erwachen allmählich die Sinne der Hundebabys. Als  erstes öffnen sich die Augen (10. - 13. Tag), so dass die Welpen ab dem  14. - 16. Lebenstag sehen können. Nach und nach entwickelt sich jetzt  auch ihr Gehör und beginnt mit 15 - 17 Tagen zu funktionieren. Mit ca.  18 Tagen beginnen dann auch die ersten Gehversuche. Bis die Motorik  völlig beherrscht wird, vergeht allerdings noch etwas Zeit. Neben  verschiedenen Lautäußerungen wie Bellen, Knurren und Heulen beginnt der  Spieltrieb sowie die Beschäftigung mit dem eigenen Körper - Pfoten  wischen, sich belecken, beknabbern etc.


5. - 12. Lebenswoche

Zahnen und Zahnwechsel:

Während  Welpen die ersten drei Wochen zahnlos verbringen, brechen die 28  Milchzähne in der 4. bis 6. Lebenswoche danach rasch durch. Sie werden  mit rund einem halben Jahr durch das bleibende Gebiss, das insgesamt 42  Zähne aufweist, abgelöst.

"Hundesprache" - Sozialisierung:

Mit gut einem Monat sind die Sinne der Hundewelpen ausgereift, der Ernst  des Lebens kann beginnen. Die Mutter muss den Kleinen nun alle  Verhaltensweisen beibringen, die ein erwachsener Hund braucht. Und beim  Balgen und Herumtoben miteinander werden die Verhaltensweisen dann  geübt. Ab der fünften Lebenswoche findet die Phase der Sozialisierung  statt. Die Welpen zeigen immer größeres Interesse an ihrer Umgebung.  Haus und Garten, Menschen und andere Tiere werden neugierig wahrgenommen und erkundet. Die Erfahrungen, die die Kleinen jetzt machen, prägen  ihre Persönlichkeit und bestimmen ihr späteres Verhalten. Spielerisch  trainieren sie das Verhaltensrepertoire eines erwachsenen Hundes und  lernen das "Hunde-Einmaleins", das so wichtig für das Zusammenleben mit  Mensch und Tier, vor allem mit anderen Artgenossen ist. Während der  Sozialisierungsphase lässt sich die enge Mutter-Kind-Beziehung langsam  auf. Nach und nach werden die jungen Hunde auf ihre Selbständigkeit  vorbereitet, es beginnt die Phase der Entwöhnung.

Zufüttern und Absetzen der Welpen:

Zur Vorbereitung des Absetzens sollte das Zufüttern beginnen, wenn die  Welpen 3 Wochen alt sind. Es ist sinnvoll das Welpenfutter mit Wasser zu einem suppigen Brei zu mischen, um den Welpen den Übergang von  Milchnahrung zu festem Futter zu erleichtern. Von diesem Brei streicht  man den Jungen etwas um die Lippen. Vorsicht, dass nichts in die Nase  kommt! Beim Ablecken kommen die Hundekinder dann schnell auf den  Geschmack, so dass man sie mit 6 bis 7 Wochen absetzen und nur noch mit  fester Nahrung ernähren kann. Mit 10 bis 12 Wochen sind die Junghunde  dann so selbständig und selbstbewusst, dass sie von ihrer Hundefamilie  getrennt werden und ihr neues Zuhause beziehen können. Sicherlich wird  es noch ein bis zwei Tage Heimweh geben, aber schnell wird die Neugier  siegen und voller Tatendrang die neue Familie in Beschlag genommen. 

Absetzen und Trennen von den Wurfgeschwistern vor der 5. bis 7. Lebenswoche kann zu Verhaltensstörungen führen (z.B. Unsicherheit, Überängstlichkeit,  seltener auch Aggressionsverhalten, Angst vor dem Alleinsein, was zur  Zerstörung der Einrichtung, ständigem Bellen oder Jaulen oder gar  Selbstverstümmelung führen kann). Andererseits sind Welpen, die älter  als 10 Wochen geworden sind, bevor sie mehr als flüchtigen Kontakt zu  Menschen hatten, als Hausgenossen ebenfalls nicht gut geeignet, denn sie sind oft scheu oder unterwerfen sich nicht der menschlichen Dominanz,  so dass sie schwer zu erziehen sind und unter Umständen aggressiv  werden. Um Verhaltensstörungen möglichst zu vermeiden, sollte man Welpen auf keinen Fall von Mutter und Geschwistern trennen bevor sie  mindestens 6 Wochen alt sind. Außerdem sollte im Alter von 4 bis 10  Wochen enger Kontakt mit Menschen gefördert werden.

Entwurmung und Welpenimpfung:

Ganz wichtig für die optimale körperliche Entwicklung ist das regelmäßige  Entwurmen ab der zweiten Lebenswoche. Im Abstand von 14 Tagen sollte  gegen Spulwürmer behandelt werden, mit denen sich die Hundwelpen  automatisch über die Muttermilch infizieren.
Während der ersten  Lebenswochen sind die Kleinen durch die mütterlichen Antikörper  geschützt, deren Wirkung aber bis zur achten Lebenswoche stark  nachlässt. Deshalb steht spätestens jetzt der erste Tierarztbesuch an.  Ihr Tierarzt wird die Hundekinder gründlich untersuchen und sie dann zum ersten Mal impfen, damit sie ihren eigenen Impfschutz aufbauen können.  Er berät Sie auch gerne, auf was Sie bei der Welpenaufzucht achten  müssen und hilft Ihnen, Mutter und Kinder topfit zu halten. Drei bis  vier Wochen später ist dann eine Wiederholungsimpfung notwendig. Mit  dieser zweiten Impfung ist die Grundimmunisierung der Welpen  abgeschlossen und sie sind für ein Jahr vor den wichtigsten  Hundekrankheiten geschützt.


Prägung auf den Menschen

Zwischen der 8. und 11. Lebenswoche lieben Welpen noch alle Menschen, die nett sind. Ab der 12. Woche bauen sie dann eine feste Bindung zu "ihrem Menschen" auf.

Um eine emotionale Achterbahn zu vermeiden, muss der Welpe wissen, wer sein "Rudelführer" ist. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass er Ihnen vertrauen kann, dass Sie das Rudel führen können. Dazu bestehen Sie konsequent auf festen Regeln des Zusammenlebens, unterbrechen von sich aus das Spiel und bestimmen, wann gefressen wird.

Wichtig ist, dass Ihre Familie am gleichen Strang zieht. Was der eine erlaubt, darf der andere nicht verbieten. Und: der Ton macht die Musik. Geben Sie Kommandos mit fester Stimme, Lob mit freundlicher und Tadel mit strenger. Anschreien und Schlagen helfen nicht weiter. Der Welpe muss merken, dass es sich für ihn lohnt, wenn er gehorcht. Loben ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Doch Achtung: Welpen sind bestechlich. Manchmal tun sie nur dann etwas, wenn ein Leckerbissen winkt.

Beschränken Sie deshalb die Belohnungen für das gewünschte Verhalten nicht nur auf Leckerlis. Ein Hund freut sich genauso über Streicheleinheiten und lobende Worte.